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August 2026

PFAS-20 und PFAS-4 im Trinkwasser: Grenzwerte 2026 und 2028

PFAS-20 und PFAS-4 im Trinkwasser: Grenzwerte 2026 und 2028

Seit Januar 2026 gilt in Deutschland erstmals ein gesetzlicher Grenzwert von 100 ng/l für die Summe PFAS-20. Ab Januar 2028 kommt zusätzlich der strengere PFAS-4-Grenzwert von 20 ng/l hinzu. Erfahren Sie, welche Stoffe jeweils erfasst werden, warum künftig beide Werte gleichzeitig gelten, warum TFA nicht dazugehört und welche Rolle Umkehrosmose bei der PFAS-Reduktion spielen kann.

Seit dem 12. Januar 2026 gelten in Deutschland erstmals verbindliche PFAS-Grenzwerte im Trinkwasser. Dabei tauchen vor allem zwei Begriffe auf: PFAS-20 und PFAS-4.

Die beiden Parameter werden häufig miteinander verwechselt. Tatsächlich erfüllen sie unterschiedliche Funktionen: PFAS-20 umfasst 20 definierte per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, während PFAS-4 eine besonders relevante Teilgruppe aus nur vier dieser Stoffe bildet.

Kurz erklärt

Seit dem 12. Januar 2026 gilt in Deutschland für die Summe PFAS-20 ein Grenzwert von 100 ng/l. Ab dem 12. Januar 2028 gilt zusätzlich für die Summe PFAS-4 ein Grenzwert von 20 ng/l. PFAS-4 besteht aus PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS und ist vollständig in PFAS-20 enthalten. Ab 2028 müssen beide Grenzwerte gleichzeitig eingehalten werden. TFA gehört zwar zur großen PFAS-Stoffgruppe, ist aber weder Bestandteil von PFAS-20 noch von PFAS-4.

Stand: 20. August 2026
Autor: BEM AQUA Redaktion

Was sind PFAS?

PFAS ist die Abkürzung für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen.

Es handelt sich nicht um einen einzelnen Stoff, sondern um eine sehr große Gruppe fluorierter Chemikalien.

PFAS wurden und werden aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften in zahlreichen industriellen und technischen Anwendungen eingesetzt.

Je nach Verbindung können PFAS beispielsweise:

  • wasserabweisend,
  • fettabweisend,
  • chemisch stabil,
  • temperaturbeständig

sein.

Genau diese hohe chemische Stabilität führt jedoch dazu, dass viele PFAS in der Umwelt nur sehr langsam oder praktisch gar nicht abgebaut werden.

Warum werden PFAS als Ewigkeitschemikalien bezeichnet?

Viele PFAS besitzen extrem stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindungen.

Dadurch können sie über lange Zeiträume in:

  • Böden,
  • Grundwasser,
  • Oberflächengewässern,
  • Lebensmitteln,
  • Organismen

verbleiben.

Unterschiede zwischen den einzelnen PFAS sind jedoch erheblich. Besonders die Länge der fluorierten Kohlenstoffkette beeinflusst, wie sich ein Stoff im Wasser, im Boden und im menschlichen Körper verhält.

Was bedeutet PFAS-20?

PFAS-20 ist ein gesetzlich definierter Summenparameter der deutschen Trinkwasserverordnung.

Dabei werden die Konzentrationen von 20 ausdrücklich festgelegten PFAS-Verbindungen bestimmt und anschließend addiert.

Seit dem 12. Januar 2026 darf die Summe dieser Stoffe im Trinkwasser den folgenden Wert nicht überschreiten:

PFAS-20: maximal 100 ng/l

100 ng/l = 0,10 µg/l
100 ng/l = 0,00010 mg/l

Welche Stoffe gehören zu PFAS-20?

PFAS-20 besteht aus zehn Perfluorcarbonsäuren und zehn Perfluorsulfonsäuren.

Kürzel Stoff
PFBA Perfluorbutansäure
PFPeA Perfluorpentansäure
PFHxA Perfluorhexansäure
PFHpA Perfluorheptansäure
PFOA Perfluoroctansäure
PFNA Perfluornonansäure
PFDA Perfluordecansäure
PFUnDA Perfluorundecansäure
PFDoDA Perfluordodecansäure
PFTrDA Perfluortridecansäure
PFBS Perfluorbutansulfonsäure
PFPeS Perfluorpentansulfonsäure
PFHxS Perfluorhexansulfonsäure
PFHpS Perfluorheptansulfonsäure
PFOS Perfluoroctansulfonsäure
PFNS Perfluornonansulfonsäure
PFDS Perfluordecansulfonsäure
PFUnDS Perfluorundecansulfonsäure
PFDoDS Perfluordodecansulfonsäure
PFTrDS Perfluortridecansulfonsäure

Die vier fett hervorgehobenen Stoffe PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS bilden gleichzeitig den später zusätzlich geltenden Parameter PFAS-4.

Wie wird der PFAS-20-Wert berechnet?

Die bei der Untersuchung nachgewiesenen und quantitativ bestimmten Konzentrationen der 20 definierten PFAS werden addiert.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Stoff Messwert
PFBA 25 ng/l
PFHxA 20 ng/l
PFOA 10 ng/l
PFOS 8 ng/l
Summe 63 ng/l

Der PFAS-20-Wert läge in diesem Beispiel bei 63 ng/l und damit unter dem Grenzwert von 100 ng/l.

Was bedeutet PFAS-4?

PFAS-4 ist ein zusätzlicher deutscher Summenparameter, der vier besonders relevante PFAS umfasst:

  • PFOA – Perfluoroctansäure,
  • PFNA – Perfluornonansäure,
  • PFHxS – Perfluorhexansulfonsäure,
  • PFOS – Perfluoroctansulfonsäure.

Für die Summe dieser vier Verbindungen gilt ab dem 12. Januar 2028:

PFAS-4: maximal 20 ng/l

20 ng/l = 0,020 µg/l
20 ng/l = 0,000020 mg/l

Warum werden genau diese vier PFAS besonders streng reguliert?

PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS gehören zu den PFAS, die hinsichtlich ihrer Aufnahme, Anreicherung im Körper und gesundheitlichen Bedeutung besonders intensiv untersucht wurden.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat für die Summe dieser vier PFAS eine gruppenbezogene tolerierbare wöchentliche Aufnahme abgeleitet.

EFSA-TWI:
4,4 ng PFAS-4 pro kg Körpergewicht und Woche

Als besonders empfindlicher gesundheitlicher Endpunkt wurde dabei die Beeinflussung der Immunantwort auf Impfungen berücksichtigt.

Deutschland hat diese Bewertung bei der Einführung des zusätzlichen strengeren PFAS-4-Parameters berücksichtigt.

Ist PFAS-4 in PFAS-20 enthalten?

Ja.

Die vier PFAS des Parameters PFAS-4 sind vollständig Bestandteil der 20 PFAS des Parameters PFAS-20.

PFAS-20
umfasst 20 definierte PFAS

darin enthalten:

PFAS-4
PFOA + PFNA + PFHxS + PFOS

Welche PFAS-Grenzwerte gelten 2026?

Seit dem 12. Januar 2026 ist der Grenzwert für PFAS-20 von 100 ng/l verbindlich einzuhalten.

Der PFAS-4-Grenzwert von 20 ng/l ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht als verbindlicher Grenzwert in Kraft.

Welche PFAS-Grenzwerte gelten ab 2028?

Ab dem 12. Januar 2028 gelten gleichzeitig:

Parameter Grenzwert
PFAS-20 100 ng/l
PFAS-4 20 ng/l

Beide Anforderungen müssen gleichzeitig erfüllt sein.

Kann PFAS-20 eingehalten und PFAS-4 trotzdem überschritten werden?

Ja. Genau das ist möglich.

Beispiel:

PFAS Konzentration
PFOA 12 ng/l
PFNA 4 ng/l
PFHxS 3 ng/l
PFOS 5 ng/l

Die Summe PFAS-4 beträgt:

12 + 4 + 3 + 5 = 24 ng/l

Angenommen, sämtliche anderen 16 PFAS liegen unterhalb der Bestimmungsgrenze, beträgt auch PFAS-20 lediglich 24 ng/l.

Das Ergebnis ab Januar 2028:

  • PFAS-20: 24 ng/l → Grenzwert von 100 ng/l eingehalten.
  • PFAS-4: 24 ng/l → Grenzwert von 20 ng/l überschritten.

Merksatz

Ab dem 12. Januar 2028 muss deutsches Trinkwasser sowohl PFAS-20 unter 100 ng/l als auch PFAS-4 unter 20 ng/l einhalten. Ein bestandener PFAS-20-Wert garantiert deshalb nicht automatisch die Einhaltung des PFAS-4-Grenzwertes.

Warum gibt es zwei unterschiedliche PFAS-Grenzwerte?

Die beiden Parameter verfolgen unterschiedliche regulatorische Ansätze.

Der PFAS-20-Wert dient als breit angelegter Summenparameter für 20 häufig relevante perfluorierte Carbon- und Sulfonsäuren.

Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass der Wert von 100 ng/l nicht aus einer gemeinsamen toxikologischen Bewertung sämtlicher 20 PFAS abgeleitet wurde, sondern einen vorsorgeorientierten Summenansatz darstellt.

PFAS-4 konzentriert sich dagegen auf vier Stoffe, für die eine umfangreichere gesundheitliche Bewertung vorliegt.

Warum wird online auch ein PFAS-Grenzwert von 500 ng/l genannt?

Ursache ist die europäische Trinkwasserrichtlinie.

Sie kennt zwei unterschiedliche Ansätze:

EU-Parameter Wert
PFAS gesamt 500 ng/l
Summe von 20 PFAS 100 ng/l

Deutschland hat in seiner Trinkwasserverordnung den PFAS-20-Ansatz mit 100 ng/l umgesetzt.

Zusätzlich wurde national PFAS-4 mit 20 ng/l ab 2028 eingeführt.

Wer deutsche Trinkwasserwerte bewertet, sollte deshalb nicht einfach den EU-Wert von 500 ng/l mit dem deutschen PFAS-20-Grenzwert vergleichen.

Gehört TFA zu PFAS-20?

Nein.

Trifluoracetat beziehungsweise TFA gehört zwar zur übergeordneten PFAS-Stoffgruppe, ist aber nicht Bestandteil der 20 Stoffe des Parameters PFAS-20.

TFA ist auch nicht Bestandteil von PFAS-4.

Eine Laboranalyse mit der Bezeichnung „PFAS-20“ erfasst TFA deshalb nicht automatisch.

Mehr zur besonderen regulatorischen und technischen Stellung dieses ultrakurzkettigen PFAS erfahren Sie in unserem Wasserwissen-Beitrag „TFA im Trinkwasser“.

Kann ein Wasser PFAS enthalten, obwohl PFAS-20 nicht nachweisbar ist?

Ja.

Der Begriff PFAS umfasst wesentlich mehr Verbindungen als die 20 Stoffe der Trinkwasserverordnung.

Ein Ergebnis wie:

„PFAS-20 unter Bestimmungsgrenze“

bedeutet daher nicht:

„Im Wasser befinden sich keinerlei PFAS.“

Es bedeutet zunächst nur, dass die untersuchten 20 Verbindungen unter den jeweiligen analytischen Bestimmungsgrenzen lagen.

Was bedeutet die Bestimmungsgrenze bei PFAS?

Jedes analytische Verfahren besitzt einen Bereich, unterhalb dessen eine Substanz nicht mehr ausreichend zuverlässig quantitativ bestimmt werden kann.

Die Trinkwasserverordnung enthält deshalb auch Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der PFAS-Analytik.

Messwerte unterhalb der Bestimmungsgrenze werden für die Summenbildung von PFAS-20 beziehungsweise PFAS-4 nicht berücksichtigt.

Wie werden PFAS im Trinkwasser gemessen?

PFAS werden mit hochsensitiver Laboranalytik bestimmt.

Typischerweise kommen chromatographische Verfahren in Verbindung mit Massenspektrometrie zum Einsatz.

Wichtig ist bereits bei der Beauftragung eines Labors, den Analyseumfang genau festzulegen.

Beispiele:

  • PFAS-20,
  • PFAS-4,
  • weitere Einzel-PFAS,
  • TFA,
  • gegebenenfalls weitere ultrakurzkettige PFAS.

Ein breiter Begriff wie „PFAS-Test“ sagt deshalb noch nicht, welche Einzelstoffe tatsächlich analysiert wurden.

Kann ein TDS-Messgerät PFAS messen?

Nein.

Ein TDS- beziehungsweise EC-Messgerät misst hauptsächlich die elektrische Leitfähigkeit des Wassers.

Daraus wird ein geschätzter Summenwert für gelöste ionische Stoffe berechnet.

PFAS-Konzentrationen liegen jedoch häufig im Nanogramm-pro-Liter-Bereich. Ein einfaches TDS-Gerät kann die einzelnen Verbindungen weder identifizieren noch quantitativ bestimmen.

Ein TDS-Messgerät kann nicht feststellen:

  • ob PFOA vorhanden ist,
  • ob PFOS vorhanden ist,
  • wie hoch PFAS-20 ist,
  • wie hoch PFAS-4 ist,
  • ob TFA vorhanden ist,
  • ob ein Grenzwert eingehalten wird.

Wichtig

Eine TDS-Anzeige ist kein PFAS-Messgerät. Ein niedriger TDS-Wert kann auch nicht beweisen, dass ein Wasser PFAS-frei ist.

Geräte zur orientierenden Messung von TDS und elektrischer Leitfähigkeit finden Sie unter Wassertester. Für PFAS ist eine spezifische Laboranalyse erforderlich.

Kann man PFAS schmecken, riechen oder sehen?

Nein.

Konzentrationen im Nanogramm- beziehungsweise Mikrogrammbereich können nicht zuverlässig über:

  • Geschmack,
  • Geruch,
  • Farbe,
  • Klarheit des Wassers

erkannt werden.

Ein optisch vollkommen klares Wasser kann PFAS enthalten.

Kann man PFAS durch Abkochen entfernen?

Nein. Abkochen ist kein geeignetes Verfahren zur PFAS-Entfernung.

PFAS werden durch normales Erhitzen von Trinkwasser nicht zuverlässig zerstört.

Verdampft Wasser, können nichtflüchtige Stoffe im verbleibenden Wasser sogar stärker konzentriert werden.

Bei einem offiziellen PFAS-Befund sollten deshalb die Hinweise des Wasserversorgers beziehungsweise der zuständigen Behörde beachtet werden.

Kann Aktivkohle PFAS reduzieren?

Ja, aber nicht jedes PFAS gleich gut.

Aktivkohle kann verschiedene PFAS adsorbieren. Besonders bei längerkettigen Verbindungen kann das Verfahren eine relevante Reduktion erreichen.

Kurzkettige PFAS sind dagegen häufig:

  • wasserlöslicher,
  • mobiler,
  • schlechter adsorbierbar.

Das Umweltbundesamt weist deshalb darauf hin, dass Aktivkohlefilter bei kurzkettigen PFAS deutlich schneller erschöpft sein können.

Warum ist der Aktivkohlewechsel bei PFAS besonders wichtig?

Aktivkohle besitzt nur eine begrenzte Adsorptionskapazität.

Sobald relevante Bindungsplätze belegt sind, kann die Rückhaltewirkung nachlassen.

Ein Aktivkohlefilter ist deshalb kein dauerhaft wirksamer PFAS-Speicher ohne regelmäßige Wartung.

Passende Verbrauchsteile für BEM AQUA Systeme finden Sie unter Ersatzfilter.

Kann Ionenaustausch PFAS reduzieren?

Ja.

Spezielle Ionenaustauscherharze können verschiedene PFAS aus Wasser zurückhalten.

Welches Harz geeignet ist, hängt jedoch von den vorhandenen PFAS, der Wasserzusammensetzung und konkurrierenden Ionen ab.

Auch hier gilt: „PFAS-Filter“ ist keine ausreichend präzise Leistungsbeschreibung.

Kann Umkehrosmose PFAS reduzieren?

Ja. Umkehrosmose gehört zu den technisch relevanten Verfahren zur PFAS-Reduktion.

Bei der Umkehrosmose wird Wasser unter Druck durch eine sehr dichte semipermeable Membran geführt.

Zahlreiche gelöste Ionen und organische Moleküle werden dabei bevorzugt zurückgehalten.

Das Umweltbundesamt nennt Umkehrosmose gemeinsam mit Ionenaustausch und Aktivkohle als etabliertes Verfahren bei der Aufbereitung PFAS-belasteter Wässer.

Einen Überblick über entsprechende BEM AQUA Systeme finden Sie unter Osmoseanlagen.

Entfernt jede Osmoseanlage PFAS zu 99,9 Prozent?

Nein. Diese pauschale Aussage sollte nicht verwendet werden.

Die tatsächliche Rückhaltung hängt unter anderem ab von:

  • konkreter PFAS-Verbindung,
  • Kettenlänge,
  • elektrischer Ladung,
  • Membrantyp,
  • Membranzustand,
  • Wasserdruck,
  • pH-Wert,
  • Temperatur,
  • Wasserzusammensetzung,
  • vollständiger Anlagenkonstruktion.

Die Aussage:

„RO-Membranen können PFAS reduzieren“

ist technisch etwas anderes als:

„Dieses konkrete Gerät reduziert PFAS-20 um 99,9 Prozent.“

Für die zweite Aussage ist eine produktspezifische Prüfung erforderlich.

Kann ein TDS-Test zeigen, ob eine Osmoseanlage PFAS entfernt?

Nein.

Ein sinkender TDS-Wert zeigt, dass zahlreiche leitfähige gelöste Stoffe reduziert wurden.

Daraus lässt sich keine quantitative Aussage darüber ableiten:

  • wie viel PFOA entfernt wurde,
  • wie viel PFOS entfernt wurde,
  • wie hoch PFAS-20 im Permeat ist,
  • wie hoch PFAS-4 im Permeat ist,
  • ob TFA reduziert wurde.

Dafür müssen Ausgangswasser und aufbereitetes Wasser mit derselben geeigneten PFAS-Analytik untersucht werden.

Was bedeutet eine NSF-Zertifizierung bei PFAS?

Internationale Prüfstandards wie NSF/ANSI 53 und NSF/ANSI 58 ermöglichen produktspezifische Leistungsprüfungen für bestimmte Trinkwasserverunreinigungen.

Für PFAS werden beispielsweise Reduktionsleistungen für definierte Verbindungen beziehungsweise Claims geprüft.

Entscheidend ist jedoch immer, welcher konkrete Claim im Zertifikat des konkreten Produkts aufgeführt ist.

Bedeutet ein PFOA- und PFOS-Claim automatisch PFAS-20?

Nein.

Ein nachgewiesener PFOA- beziehungsweise PFOS-Claim beweist zunächst die unter den Prüfbedingungen erzielte Leistung für diese Stoffe.

Daraus darf nicht automatisch eine identische Reduktionsleistung für sämtliche anderen PFAS-20-Verbindungen abgeleitet werden.

Noch weniger lässt sich daraus automatisch eine Aussage zu TFA ableiten.

Was sollte BEM AQUA bei einem PFAS-Test prüfen lassen?

Für eine belastbare PFAS-Kommunikation sollte das vollständige verkaufsfertige Filtersystem und nicht lediglich eine einzelne Membran untersucht werden.

Eine sinnvolle Prüfmatrix wäre:

  1. PFAS-20 im Zulauf bestimmen.
  2. PFAS-20 im Permeat bestimmen.
  3. PFOA einzeln ausweisen.
  4. PFNA einzeln ausweisen.
  5. PFHxS einzeln ausweisen.
  6. PFOS einzeln ausweisen.
  7. PFAS-4-Summe berechnen.
  8. TFA separat untersuchen.
  9. Messung nach definierter Betriebsdauer wiederholen.

Zusätzlich sollten dokumentiert werden:

  • Wasserdruck,
  • Wassertemperatur,
  • pH-Wert,
  • Ausgangs-TDS,
  • Membrantyp,
  • Durchfluss,
  • Filteralter,
  • Prüfvolumen.

Was passiert, wenn der PFAS-20-Grenzwert überschritten wird?

Eine bestätigte Grenzwertüberschreitung ist bei einer öffentlichen Trinkwasserversorgung nicht allein eine Entscheidung des Verbrauchers.

Wasserversorger und zuständiges Gesundheitsamt müssen den Befund bewerten und geeignete Maßnahmen festlegen.

Je nach Situation können unter anderem:

  • Ursachenuntersuchungen,
  • zusätzliche Analysen,
  • Aufbereitungsmaßnahmen,
  • Änderungen der Wassergewinnung,
  • befristete behördliche Maßnahmen,
  • gegebenenfalls Nutzungseinschränkungen

erforderlich werden.

Das Umweltbundesamt hat dafür 2026 detaillierte Empfehlungen zum Umgang mit Abweichungen bei PFAS-20 und PFAS-4 veröffentlicht.

Ist eine Grenzwertüberschreitung automatisch ein akuter Notfall?

Nicht automatisch.

Grenzwertüberschreitung, gesundheitliche Gefahreneigenschaft und akutes individuelles Gesundheitsrisiko sind unterschiedliche Begriffe.

Eine bestätigte Überschreitung muss jedoch fachlich und behördlich bewertet und behoben werden.

Verbraucher sollten sich in diesem Fall an die offiziellen Informationen des Wasserversorgers beziehungsweise Gesundheitsamtes halten.

Warum reicht es nicht, nur nach PFOS und PFOA zu suchen?

PFOS und PFOA gehören zu den bekanntesten PFAS.

Die heutige Regulierung berücksichtigt jedoch wesentlich mehr Verbindungen.

Ein Labortest ausschließlich auf PFOA und PFOS beantwortet deshalb nicht:

  • ob PFAS-20 eingehalten wird,
  • ob PFAS-4 vollständig bestimmt wurde,
  • ob TFA vorhanden ist,
  • ob weitere PFAS außerhalb der gesetzlichen Summenparameter vorhanden sind.

Sind kurzkettige PFAS ungefährlicher?

Eine pauschale Aussage ist nicht möglich.

Kurzkettige PFAS verhalten sich häufig anders als längerkettige Verbindungen.

Sie können beispielsweise:

  • weniger stark im Körper akkumulieren,
  • gleichzeitig aber deutlich mobiler im Wasser sein,
  • schwieriger mit Aktivkohle entfernt werden.

Für den Trinkwasserschutz kann hohe Mobilität deshalb trotz anderer toxikokinetischer Eigenschaften problematisch sein.

Was ist wichtiger: PFAS filtern oder PFAS-Einträge vermeiden?

Langfristig ist die Quellenvermeidung entscheidend.

Ein Wasserfilter kann bereits vorhandene PFAS reduzieren. Er verhindert jedoch nicht, dass PFAS weiterhin in Böden und Gewässer gelangen.

Da viele PFAS extrem langlebig sind, bleiben einmal freigesetzte Stoffe teilweise über Jahrzehnte relevant.

Nachhaltiger Gewässerschutz muss deshalb bereits bei:

  • Produktion,
  • Verwendung,
  • Emissionen,
  • Abwasser,
  • Altlasten,
  • Entsorgung

ansetzen.

Umkehrosmose zur PFAS-Reduktion

Umkehrosmose gehört zu den technisch relevanten Verfahren zur Reduktion zahlreicher PFAS. Welche Einzelverbindungen ein konkretes Filtersystem in welcher Höhe reduziert, sollte anhand produktspezifischer Prüfdaten bewertet werden.

Osmoseanlagen vergleichen

Häufige Fragen zu PFAS-20 und PFAS-4

Welcher PFAS-Grenzwert gilt seit 2026?

Seit dem 12. Januar 2026 gilt in Deutschland für die Summe PFAS-20 ein Grenzwert von 100 ng/l beziehungsweise 0,10 µg/l.

Welcher PFAS-Grenzwert gilt ab 2028?

Ab dem 12. Januar 2028 gilt zusätzlich ein Grenzwert von 20 ng/l beziehungsweise 0,020 µg/l für die Summe PFAS-4.

Gelten ab 2028 noch 100 ng/l für PFAS-20?

Ja. Der PFAS-20-Grenzwert von 100 ng/l bleibt bestehen. Zusätzlich muss PFAS-4 unter 20 ng/l liegen.

Was gehört zu PFAS-4?

PFAS-4 besteht aus PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS.

Ist PFAS-4 Teil von PFAS-20?

Ja. Alle vier PFAS-4-Verbindungen gehören gleichzeitig zu den 20 Stoffen des Parameters PFAS-20.

Kann PFAS-20 unter 100 ng/l liegen und PFAS-4 trotzdem zu hoch sein?

Ja. Ab 2028 ist genau diese Konstellation möglich. Beispielsweise würden 24 ng/l ausschließlich aus PFAS-4 den PFAS-20-Grenzwert einhalten, aber den PFAS-4-Grenzwert überschreiten.

Warum gibt es einen PFAS-Wert von 500 ng/l?

Die EU-Trinkwasserrichtlinie kennt alternativ einen Parameter „PFAS gesamt“ mit 500 ng/l und eine Summe von 20 definierten PFAS mit 100 ng/l. Deutschland verwendet PFAS-20 mit 100 ng/l und zusätzlich PFAS-4 mit 20 ng/l ab 2028.

Gehört TFA zu PFAS-20?

Nein. TFA gehört zwar zur übergeordneten PFAS-Stoffgruppe, ist aber weder Bestandteil von PFAS-20 noch von PFAS-4.

Wird TFA bei einem PFAS-20-Test gemessen?

Nicht automatisch. TFA muss ausdrücklich Bestandteil des beauftragten Analyseumfangs sein.

Was bedeutet PFAS-20 unter der Bestimmungsgrenze?

Es bedeutet, dass die untersuchten PFAS-20-Verbindungen unter den jeweiligen analytischen Bestimmungsgrenzen liegen. Daraus kann nicht geschlossen werden, dass keinerlei PFAS im Wasser vorhanden sind.

Kann ein TDS-Messgerät PFAS messen?

Nein. Ein TDS-Messgerät kann weder PFAS-20 noch PFAS-4, PFOA, PFOS oder TFA spezifisch bestimmen.

Kann man PFAS durch Abkochen entfernen?

Nein. Abkochen ist kein geeignetes Verfahren zur PFAS-Entfernung.

Entfernt Aktivkohle PFAS?

Aktivkohle kann zahlreiche PFAS reduzieren, besonders längerkettige Verbindungen. Kurzkettige PFAS sind häufig schwieriger zu adsorbieren.

Kann Umkehrosmose PFAS reduzieren?

Ja. Umkehrosmose gehört zu den technisch relevanten Verfahren zur Reduktion zahlreicher PFAS. Die konkrete Leistung hängt jedoch vom Stoff und dem jeweiligen System ab.

Entfernt jede Osmoseanlage PFAS zu 99,9 Prozent?

Nein. Eine konkrete prozentuale PFAS-Reduktion muss für die betreffende Anlage und die untersuchten PFAS durch geeignete Prüfungen belegt werden.

Bedeutet ein PFOA-Filtertest, dass PFAS-20 entfernt werden?

Nein. Ein PFOA-Test gilt zunächst nur für PFOA unter den jeweiligen Prüfbedingungen. PFAS-20 umfasst insgesamt 20 unterschiedliche Verbindungen.

Wie kann ich mein Leitungswasser auf PFAS testen?

Bei öffentlicher Versorgung sollte zunächst geprüft werden, ob der örtliche Wasserversorger PFAS-Werte veröffentlicht. Für eine individuelle Untersuchung ist ein spezialisiertes Labor erforderlich.

Welche Analyse sollte ich bestellen?

Für die gesetzlichen deutschen Parameter ist eine Analyse von PFAS-20 sinnvoll. Ab 2028 muss daraus zusätzlich PFAS-4 bewertet werden. TFA ist separat zu beauftragen, wenn auch dieser Stoff untersucht werden soll.

Was passiert bei einer Grenzwertüberschreitung?

Bei einer öffentlichen Wasserversorgung bewerten Wasserversorger und Gesundheitsamt den Befund und legen die erforderlichen Maßnahmen fest. Verbraucher sollten den offiziellen Anweisungen folgen.

Fazit: PFAS-20 und PFAS-4 dürfen nicht miteinander verwechselt werden

Deutschland hat die PFAS-Regulierung im Trinkwasser deutlich verschärft.

Die wichtigsten Daten sind:

Parameter Vorgabe
PFAS-20 100 ng/l seit 12.01.2026
PFAS-4 20 ng/l ab 12.01.2028
TFA Nicht Bestandteil von PFAS-20 oder PFAS-4

Ab Januar 2028 müssen PFAS-20 und PFAS-4 gleichzeitig eingehalten werden.

Genau deshalb ist PFAS-4 nicht einfach ein neuer Ersatz für PFAS-20, sondern eine zusätzliche strengere Anforderung für vier besonders relevante PFAS.

Ebenso wichtig ist die klare Abgrenzung zu TFA: TFA gehört zwar zur PFAS-Familie, wird aber von den gesetzlichen Summenparametern PFAS-20 und PFAS-4 nicht erfasst.

Für Wasserfilter bedeutet das: Ein allgemeiner Claim wie „entfernt PFAS“ ist fachlich zu unspezifisch.

Aussagekräftiger sind produktspezifische Prüfungen für:

  • PFAS-20,
  • PFAS-4,
  • PFOA,
  • PFOS,
  • PFNA,
  • PFHxS,
  • TFA.

Umkehrosmose gehört zu den relevanten Technologien für die Reduktion zahlreicher PFAS. Konkrete Prozentangaben sollten jedoch immer auf einem belastbaren Test des vollständigen Filtersystems beruhen.

Quellen und weiterführende Informationen