Август 2026
Mikroplastik im Trinkwasser: Risiken, Messung und Filterung
Mikroplastik im Trinkwasser wird seit einigen Jahren intensiv untersucht. Kunststoffpartikel wurden sowohl in natürlichen Wasserressourcen als auch in aufbereitetem Trinkwasser und abgefülltem Wasser nachgewiesen.
Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass deutsches Leitungswasser gesundheitlich problematisch belastet ist. Die wissenschaftliche Bewertung ist deutlich komplexer: Messmethoden unterscheiden sich, Mikroplastik umfasst sehr unterschiedliche Partikel und für die gesundheitlichen Auswirkungen bestehen weiterhin wesentliche Wissenslücken.
Kurz erklärt
Mikroplastik sind kleine Kunststoffpartikel, die unter anderem durch Abrieb und Zerfall größerer Kunststoffprodukte entstehen. Sie können auch in Trinkwasser vorkommen. Einen eigenen gesetzlichen Mikroplastik-Grenzwert gibt es in Deutschland derzeit nicht. Die EU hat jedoch eine harmonisierte Messmethodik für Trinkwasser eingeführt. Die gesundheitlichen Risiken der üblichen Mikroplastikexposition lassen sich nach aktuellem Wissensstand noch nicht zuverlässig quantifizieren. Membranverfahren können Mikroplastik reduzieren, konkrete Filterclaims sollten jedoch für das jeweilige System geprüft werden.
Stand: 19. August 2026
Autor: BEM AQUA Redaktion
Was ist Mikroplastik?
Als Mikroplastik werden kleine feste Kunststoffpartikel bezeichnet, die nicht wasserlöslich sind.
Häufig wird eine Größe von weniger als 5 Millimetern als obere Grenze verwendet. Eine weltweit einheitliche wissenschaftliche Definition existiert jedoch nicht für sämtliche Anwendungsbereiche.
Mikroplastik unterscheidet sich unter anderem hinsichtlich:
- Größe,
- Form,
- Polymerart,
- Dichte,
- Alter und Verwitterung,
- Oberflächenbeschaffenheit,
- enthaltenen Zusatzstoffen,
- anhaftenden Stoffen.
Deshalb ist „Mikroplastik“ keine einzelne chemische Substanz, sondern eine sehr heterogene Partikelgruppe.
Was ist der Unterschied zwischen Mikroplastik und Nanoplastik?
Nanoplastik bezeichnet noch deutlich kleinere Kunststoffpartikel.
Die genauen Größenabgrenzungen unterscheiden sich je nach wissenschaftlicher Definition. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit verwendet beispielsweise einen Mikroplastikbereich von ungefähr 1 µm bis 5 mm und bezeichnet kleinere Kunststoffpartikel im Nanometerbereich als Nanoplastik.
Nanoplastik ist für die Forschung besonders relevant, weil sehr kleine Partikel andere biologische Eigenschaften besitzen können und analytisch wesentlich schwieriger zuverlässig nachzuweisen sind.
Was ist primäres Mikroplastik?
Primäres Mikroplastik wird bereits in kleiner Partikelform hergestellt oder entsteht unmittelbar bei der Nutzung bestimmter Produkte.
Dazu können beispielsweise bestimmte industrielle Kunststoffpartikel gehören.
Die Europäische Union hat die absichtliche Verwendung von Mikroplastik in vielen Produktgruppen inzwischen deutlich eingeschränkt.
Was ist sekundäres Mikroplastik?
Sekundäres Mikroplastik entsteht durch den Zerfall beziehungsweise Abrieb größerer Kunststoffprodukte.
Bedeutende Quellen können beispielsweise sein:
- Reifenabrieb,
- Kunststoffabfälle,
- Textilfasern,
- Verpackungen,
- Kunststoffbehälter,
- Beschichtungen und Farben,
- weitere Kunststoffprodukte.
Wie gelangt Mikroplastik ins Wasser?
Kunststoffpartikel können über unterschiedliche Wege in Oberflächenwasser, Grundwasser und schließlich in Wasserressourcen für die Trinkwassergewinnung gelangen.
Zu möglichen Eintragspfaden gehören:
- Oberflächenabfluss nach Niederschlägen,
- gereinigtes und ungereinigtes Abwasser,
- Reifen- und Straßenabrieb,
- industrielle Einleitungen,
- atmosphärische Ablagerung,
- Zerfall größerer Kunststoffabfälle.
Die WHO nennt insbesondere Oberflächenabfluss und Abwasser als wichtige mögliche Eintragspfade in Süßwasserressourcen.
Kann Mikroplastik im Leitungswasser vorkommen?
Ja.
Mikroplastik wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen auch in aufbereitetem Leitungswasser nachgewiesen.
Die Konzentrationsangaben verschiedener Studien unterscheiden sich jedoch teilweise erheblich. Ein wesentlicher Grund dafür sind unterschiedliche Probennahmen, Größenbereiche, Analyseverfahren und Qualitätsstandards.
Deshalb sollten einzelne spektakuläre Partikelzahlen nicht ungeprüft auf deutsches Leitungswasser insgesamt übertragen werden.
Kann auch Flaschenwasser Mikroplastik enthalten?
Ja.
Mikroplastik wurde sowohl in Leitungswasser als auch in abgefülltem Wasser nachgewiesen.
Bei Flaschenwasser können neben der ursprünglichen Wasserquelle auch Verpackung, Flasche, Verschluss und Abfüllprozess mögliche Partikelquellen darstellen.
Daraus folgt nicht automatisch, dass Leitungswasser grundsätzlich weniger oder mehr Mikroplastik enthält als Flaschenwasser.
Für belastbare Vergleiche müssen identische Analyseverfahren und vergleichbare Größenbereiche verwendet werden.
Gibt es einen Grenzwert für Mikroplastik im Trinkwasser?
Nein. Stand August 2026 gibt es in Deutschland keinen eigenen zahlenmäßigen Trinkwassergrenzwert für Mikroplastik.
Mikroplastik ist derzeit weder in Anlage 2 der Trinkwasserverordnung als eigener chemischer Parameter mit Grenzwert noch mit einem vergleichbaren zahlenmäßigen Höchstwert geregelt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass das Thema regulatorisch ignoriert wird.
Was macht die Europäische Union bei Mikroplastik im Trinkwasser?
Die Europäische Trinkwasserrichtlinie sieht vor, neu auftretende Stoffe und Parameter systematisch zu beobachten.
Ein zentrales Problem bei Mikroplastik war lange, dass unterschiedliche Studien vollkommen unterschiedliche Messmethoden verwendeten.
Die Europäische Kommission hat deshalb 2024 eine harmonisierte Methodik zur Messung von Mikroplastik in Trinkwasser verabschiedet.
Wie misst die EU Mikroplastik im Trinkwasser?
Der Delegierte Beschluss (EU) 2024/1441 legt ein standardisiertes Verfahren fest.
Zunächst wird eine größere Wassermenge durch eine Kaskade unterschiedlicher Filter geleitet.
Anschließend werden die zurückgehaltenen Partikel unter anderem hinsichtlich Größe und Form untersucht.
Zur chemischen Identifikation der Kunststoffe wird vibrationsspektroskopische Mikrospektroskopie eingesetzt.
Dadurch soll nicht nur gezählt werden, wie viele Partikel vorhanden sind, sondern auch bestimmt werden:
- wie groß sie sind,
- welche Form sie besitzen,
- aus welchem Polymer sie bestehen.
Welchen Größenbereich erfasst die EU-Messmethode?
Wichtig
Die Messgrenze von 20 µm bedeutet nicht, dass kleinere Kunststoffpartikel nicht existieren. Sie beschreibt den Größenbereich, den die harmonisierte EU-Methode für die Trinkwasserüberwachung standardisiert erfasst.
Wird Mikroplastik in der EU bereits verpflichtend überwacht?
Die EU hat zunächst die einheitliche Messmethodik geschaffen.
Mikroplastik ist Stand August 2026 noch nicht Bestandteil der aktuellen Trinkwasser-Beobachtungsliste.
Die standardisierte Messmethode soll vergleichbare Daten aus den Mitgliedstaaten liefern und damit die Grundlage für eine mögliche spätere Aufnahme in die Beobachtungsliste schaffen.
Warum gibt es noch keinen Mikroplastik-Grenzwert?
Ein gesundheitsbasierter Grenzwert benötigt eine belastbare wissenschaftliche Grundlage.
Dafür müsste unter anderem ausreichend genau bekannt sein:
- welchen Partikelmengen Menschen tatsächlich ausgesetzt sind,
- welche Partikelgrößen aufgenommen werden,
- welcher Anteil wieder ausgeschieden wird,
- welche Partikel in Gewebe gelangen können,
- welchen Einfluss Polymerart und Form besitzen,
- welche Rolle Zusatzstoffe spielen,
- welche langfristigen gesundheitlichen Wirkungen auftreten können.
Für zahlreiche dieser Fragen bestehen derzeit noch erhebliche Wissenslücken.
Ist Mikroplastik gesundheitsschädlich?
Eine abschließende quantitative Risikobewertung ist derzeit nicht möglich.
Mikroplastik wurde inzwischen in zahlreichen Umweltmedien sowie in menschlichen Geweben und Organen nachgewiesen.
Ein Nachweis allein zeigt jedoch noch nicht, ob und ab welcher Expositionshöhe eine konkrete Erkrankung verursacht wird.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärte Ende 2025, dass nach dem derzeitigen Wissensstand keine belastbaren Hinweise auf konkrete gesundheitliche Risiken für den Menschen vorliegen.
Gleichzeitig bestehen erhebliche Unsicherheiten insbesondere bei:
- Nanoplastik,
- langfristiger Exposition,
- Aufnahme in menschliche Gewebe,
- unterschiedlichen Kunststoffarten,
- Zusatzstoffen und anhaftenden Chemikalien.
Wie bewertet das Umweltbundesamt Mikroplastik?
Das Umweltbundesamt betont ebenfalls, dass eine konkrete gesundheitliche Gefährdung derzeit nicht zuverlässig quantifiziert werden kann.
Gleichzeitig hält das UBA eine Reduzierung der Mikroplastikbelastung für sinnvoll, da experimentelle Studien verschiedene mögliche biologische Wirkmechanismen zeigen und noch erhebliche Wissenslücken bestehen.
Die richtige wissenschaftliche Aussage lautet deshalb weder „Mikroplastik ist eindeutig harmlos“ noch „Mikroplastik verursacht nachweislich bestimmte Krankheiten“.
Was sagt die EFSA zu Mikroplastik?
Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sieht weiterhin wesentliche Datenlücken.
Die EFSA arbeitet derzeit an einer neuen umfassenden wissenschaftlichen Bewertung von Mikro- und Nanoplastik in Lebensmitteln, Wasser und Luft.
Diese Bewertung soll nach aktuellem Zeitplan bis Ende 2027 abgeschlossen werden.
Besonders Nanoplastik gilt dabei als wichtiger Forschungsbereich, weil zu sehr kleinen Partikeln wesentlich weniger belastbare Daten vorliegen.
Kann Mikroplastik in den menschlichen Körper gelangen?
Sehr kleine Kunststoffpartikel können grundsätzlich vom menschlichen Körper aufgenommen werden.
Wie viel tatsächlich aufgenommen, verteilt, gespeichert oder wieder ausgeschieden wird, hängt unter anderem von Partikelgröße, Form und Materialeigenschaften ab.
Größere Mikroplastikpartikel werden überwiegend wieder über den Verdauungstrakt ausgeschieden. Bei sehr kleinen Mikro- und insbesondere Nanoplastikpartikeln besteht dagegen ein größeres wissenschaftliches Interesse an möglichen Übergängen durch biologische Barrieren.
Sind Kunststoffpartikel und Kunststoffchemikalien dasselbe?
Nein.
Bei Mikroplastik müssen mindestens drei unterschiedliche Aspekte voneinander getrennt werden:
- die physikalische Wirkung des Kunststoffpartikels selbst,
- chemische Bestandteile und Zusatzstoffe des Kunststoffs,
- Stoffe oder Mikroorganismen, die sich an der Partikeloberfläche anlagern können.
Diese unterschiedlichen Mechanismen sind einer der Gründe, warum eine allgemeine Bewertung von „Mikroplastik“ wissenschaftlich schwierig ist.
Kann man Mikroplastik im Trinkwasser sehen?
Der überwiegende Teil der für Trinkwasser relevanten Mikroplastikpartikel ist mit bloßem Auge nicht zuverlässig erkennbar.
Sichtbare Schwebstoffe im Wasser sind deshalb nicht automatisch Mikroplastik.
Umgekehrt kann vollkommen klares Wasser kleine Kunststoffpartikel enthalten.
Kann man Mikroplastik schmecken oder riechen?
Nein.
Geschmack und Geruch eignen sich nicht zur zuverlässigen Bestimmung von Mikroplastik.
Für einen belastbaren Nachweis werden spezielle analytische Verfahren benötigt.
Kann ein TDS-Messgerät Mikroplastik erkennen?
Nein.
Ein TDS- beziehungsweise EC-Messgerät misst hauptsächlich die elektrische Leitfähigkeit des Wassers.
Daraus wird ein geschätzter Wert für die Gesamtmenge gelöster ionischer Stoffe berechnet.
Mikroplastik besteht dagegen aus festen Kunststoffpartikeln. Diese können mit einem normalen TDS-Messgerät weder gezählt noch identifiziert werden.
Ein TDS-Messgerät kann deshalb nicht feststellen:
- ob Mikroplastik vorhanden ist,
- wie viele Kunststoffpartikel vorhanden sind,
- wie groß diese Partikel sind,
- welche Kunststoffarten vorhanden sind,
- wie stark ein Wasserfilter Mikroplastik reduziert.
Merksatz
Ein TDS-Wert ist kein Mikroplastiktest. Für Mikroplastik werden Partikel gesammelt, optisch charakterisiert und das Kunststoffmaterial analytisch identifiziert.
Geräte zur orientierenden Messung von TDS und elektrischer Leitfähigkeit finden Sie unter Wassertester. Sie ersetzen jedoch keine Mikroplastikanalyse.
Kann man Mikroplastik zuhause testen?
Eine belastbare Mikroplastikanalyse ist für Verbraucher zuhause kaum durchführbar.
Bereits bei der Probennahme besteht ein erhebliches Risiko, die Probe beispielsweise durch Kunststofffasern aus Kleidung, Staub oder Laborgeräten zu verunreinigen.
Für zuverlässige Ergebnisse werden deshalb kontrollierte Laborbedingungen, geeignete Filterverfahren und spektroskopische Identifikationsmethoden benötigt.
Warum reicht ein normales Mikroskop nicht aus?
Unter einem Mikroskop können kleine Partikel sichtbar gemacht werden. Aus ihrem Aussehen lässt sich jedoch nicht zuverlässig feststellen, ob sie tatsächlich aus Kunststoff bestehen.
Ein kleines transparentes Teilchen könnte beispielsweise Kunststoff, ein Mineral, Cellulose oder ein anderes Material sein.
Deshalb kombiniert die EU-Messmethodik optische Untersuchungen mit einer analytischen Identifizierung des Polymers.
Kann man Mikroplastik durch Abkochen entfernen?
Abkochen sollte nicht als zuverlässige Methode zur Mikroplastikentfernung betrachtet werden.
Erhitzen dient insbesondere der mikrobiologischen Behandlung von Wasser. Es stellt keine standardisierte Partikelfiltration dar.
Wer Kunststoffpartikel gezielt reduzieren möchte, benötigt ein dafür geeignetes physikalisches beziehungsweise membranbasiertes Aufbereitungsverfahren.
Entfernt Aktivkohle Mikroplastik?
Ein gewöhnlicher Aktivkohlefilter sollte nicht allein aufgrund des Aktivkohlematerials als geprüfter Mikroplastikfilter betrachtet werden.
Aktivkohle ist vor allem für die Adsorption bestimmter gelöster organischer Stoffe sowie geruchs- und geschmacksbeeinflussender Verbindungen bekannt.
Mikroplastik ist dagegen eine Partikelfrage.
Ein Filtersystem mit Aktivkohle kann Mikroplastikpartikel mechanisch zurückhalten, wenn seine gesamte Konstruktion und Filterfeinheit dafür geeignet sind. Entscheidend ist somit nicht allein das Wort „Aktivkohle“, sondern die tatsächliche geprüfte Systemleistung.
Welche Verfahren können Mikroplastik reduzieren?
Mikroplastik ist grundsätzlich ein Partikelproblem. Verfahren mit effektiver Partikelabtrennung besitzen deshalb eine hohe Bedeutung.
Dazu können gehören:
- optimierte konventionelle Trinkwasseraufbereitung,
- Flockung und Filtration,
- Mikrofiltration,
- Ultrafiltration,
- Nanofiltration,
- Umkehrosmose.
Die WHO bewertet optimierte Trinkwasseraufbereitung grundsätzlich als sehr wirksam bei der Entfernung von Partikeln mit Größen und Eigenschaften, die Mikroplastik entsprechen.
Kann Umkehrosmose Mikroplastik reduzieren?
Ja. Umkehrosmose kann Mikroplastikpartikel technisch sehr wirksam zurückhalten.
RO-Membranen werden für die Trennung wesentlich kleinerer gelöster Stoffe eingesetzt. Mikroplastikpartikel liegen im Vergleich dazu in deutlich größeren Größenordnungen.
In einem mehrstufigen Haushalts-RO-System können zudem bereits Vorfilter größere Partikel zurückhalten, bevor das Wasser die eigentliche RO-Membran erreicht.
Einen Überblick über entsprechende Systeme finden Sie unter Osmoseanlagen.
Entfernt jede Osmoseanlage automatisch 99,9 Prozent Mikroplastik?
Diese Aussage sollte ohne produktspezifischen Nachweis nicht verwendet werden.
Die technische Leistungsfähigkeit einer RO-Membran ist nur ein Teil des Gesamtsystems.
Relevant sind zusätzlich:
- Vorfilter,
- Membranintegrität,
- Dichtungen,
- Bypass-Ströme,
- Schläuche,
- Wassertanks,
- Nachfilter,
- Armaturen,
- Wartungszustand.
Deshalb sollte bei einem konkreten Mikroplastikclaim das komplette Gerät und nicht lediglich das theoretische Membranprinzip betrachtet werden.
Warum ist die Prüfung des gesamten Systems wichtig?
Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung zweier großer Meerwasser-Umkehrosmoseanlagen verdeutlicht diesen Punkt.
Die eigentliche RO-Stufe reduzierte den Großteil der untersuchten Mikroplastikpartikel. In späteren Prozessstufen wurden jedoch teilweise erneut Partikel in das aufbereitete Wasser eingebracht.
Die Untersuchung betraf große Meerwasserentsalzungsanlagen und darf nicht direkt auf Haushaltsgeräte übertragen werden.
Sie zeigt jedoch ein wichtiges technisches Prinzip: Die Qualität des Endwassers hängt vom vollständigen Wasserweg ab.
Kann ein Filter selbst Partikel in das Wasser einbringen?
Grundsätzlich kommen auch Wasseraufbereitungssysteme mit verschiedenen Werkstoffen und Kunststoffkomponenten in Kontakt.
Deshalb ist bei einer seriösen Bewertung nicht nur wichtig, was ein einzelnes Filtermedium zurückhält, sondern welche Qualität das Wasser am endgültigen Auslass des kompletten Systems besitzt.
Produktspezifische Prüfungen sind daher aussagekräftiger als allein aus theoretischer Filterfeinheit abgeleitete Werbeversprechen.
Gibt es eine Zertifizierung für Mikroplastikreduktion?
Ja. Im internationalen Bereich existieren produktspezifische Microplastics Reduction-Claims.
NSF führt beispielsweise entsprechend zertifizierte Produkte unter NSF/ANSI 401.
Wichtig ist die Unterscheidung: NSF/ANSI 58 ist der zentrale Standard für Point-of-Use-Umkehrosmosesysteme, führt Mikroplastik in der aktuell veröffentlichten allgemeinen RO-Claim-Liste aber nicht als eigenen optionalen Claim.
Ein RO-System kann zusätzlich nach anderen Standards beziehungsweise Claims für Mikroplastikreduktion geprüft sein.
Was bedeutet das für einen BEM-AQUA-Produktclaim?
BEM AQUA sollte nicht allein aufgrund der verbauten RO-Membran schreiben:
„Entfernt 99,9 % Mikroplastik.“
Solange keine entsprechende Prüfung des konkreten Systems vorliegt, wäre beispielsweise folgende Formulierung sauberer:
„Das System arbeitet mit Umkehrosmose und mehrstufiger Partikelfiltration. Membranbasierte Verfahren können Mikroplastikpartikel reduzieren. Konkrete Reduktionsleistungen sind anhand produktspezifischer Prüfdaten zu bewerten.“
Warum ist die Partikelgröße wichtig?
Je kleiner ein Partikel wird, desto anspruchsvoller werden Messung und Bewertung.
Das gilt besonders beim Übergang von Mikroplastik zu Nanoplastik.
Ein Filtersystem kann beispielsweise bei größeren Mikroplastikpartikeln eine sehr hohe Rückhaltung besitzen, ohne dass daraus automatisch eine identische Aussage für sämtliche Nanoplastikpartikel abgeleitet werden kann.
Deshalb sollten Mikroplastik- und Nanoplastikclaims getrennt betrachtet werden.
Kann der TDS-Wert nach der Osmose Mikroplastikreduktion beweisen?
Nein.
Ein niedrigerer TDS-Wert hinter einer RO-Anlage zeigt, dass die Konzentration vieler gelöster leitfähiger Stoffe reduziert wurde.
Mikroplastik ist jedoch kein klassischer gelöster TDS-Bestandteil.
Deshalb kann ein Vorher-Nachher-TDS-Test keine prozentuale Mikroplastikreduktion nachweisen.
Ist gefiltertes Wasser automatisch frei von Mikroplastik?
Nein.
Der Begriff „gefiltert“ sagt zunächst nichts darüber aus, welche Partikelgrößen und Stoffe ein System tatsächlich reduziert.
Entscheidend sind:
- Filtertechnologie,
- Filterfeinheit,
- gesamte Anlagenkonstruktion,
- Wartungszustand,
- produktspezifische Prüfungen.
Ist Leitungswasser wegen Mikroplastik schlechter als Flaschenwasser?
Diese pauschale Aussage ist wissenschaftlich nicht gerechtfertigt.
Mikroplastik wurde in beiden Wasserarten nachgewiesen. Bei abgefülltem Wasser können zusätzlich Verpackung und Verschlüsse als Partikelquellen relevant sein.
Gleichzeitig unterscheiden sich Studienmethoden so stark, dass einzelne Zahlen nicht ohne Weiteres miteinander verglichen werden dürfen.
Sollte jeder Haushalt Mikroplastik aus dem Leitungswasser filtern?
Eine allgemeine gesundheitliche Notwendigkeit lässt sich aus dem derzeitigen Wissensstand nicht ableiten.
Es gibt aktuell keinen eigenen gesetzlichen Mikroplastikgrenzwert und die gesundheitliche Risikobewertung ist noch nicht abgeschlossen.
Wer seine Partikelexposition vorsorglich reduzieren oder sein Wasser aus anderen Gründen umfassend aufbereiten möchte, kann dennoch ein geeignetes Filtersystem einsetzen.
Die Entscheidung sollte aber nicht auf unbelegter Angstkommunikation beruhen.
Was sollte ich beim Kauf eines Filters gegen Mikroplastik beachten?
-
Filterverfahren prüfen.
Physikalische beziehungsweise membranbasierte Filterstufen sind für Partikel besonders relevant. -
Nicht nur mit theoretischen Porengrößen argumentieren.
Das Gesamtsystem entscheidet über die tatsächliche Leistung. -
Produktspezifische Prüfdaten suchen.
Ein unabhängiger Mikroplastik-Reduktionsnachweis ist deutlich aussagekräftiger als allgemeine Werbeaussagen. -
Mikroplastik und Nanoplastik nicht gleichsetzen.
Ein Mikroplastikclaim muss nicht automatisch für Nanoplastik gelten. -
Wartung berücksichtigen.
Filter und Membranen müssen entsprechend den Herstellervorgaben betrieben und gewechselt werden.
Passende Filterelemente für BEM AQUA Systeme finden Sie unter Ersatzfilter.
Membranbasierte Wasseraufbereitung vergleichen
Umkehrosmoseanlagen kombinieren mehrere Filterstufen mit einer leistungsfähigen Membrantrennung. Konkrete Reduktionsclaims sollten immer anhand der jeweiligen Produktprüfung bewertet werden.
Osmoseanlagen vergleichenHäufige Fragen zu Mikroplastik im Trinkwasser
Was ist Mikroplastik einfach erklärt?
Mikroplastik sind kleine feste Kunststoffpartikel. Häufig werden Kunststoffpartikel unter 5 mm als Mikroplastik bezeichnet.
Gibt es Mikroplastik im deutschen Leitungswasser?
Mikroplastik kann auch in aufbereitetem Trinkwasser nachgewiesen werden. Die gemessenen Konzentrationen unterscheiden sich je nach Wasserquelle, Partikelgröße und verwendeter Analysemethode.
Gibt es einen Mikroplastik-Grenzwert im Trinkwasser?
Nein. Stand August 2026 besteht in Deutschland kein eigener zahlenmäßiger Trinkwassergrenzwert für Mikroplastik.
Überwacht die EU Mikroplastik im Trinkwasser?
Die EU hat eine harmonisierte Messmethodik eingeführt, um künftig vergleichbare Daten über Mikroplastik in Trinkwasser zu erhalten. Mikroplastik befindet sich aktuell noch nicht auf der bestehenden EU-Trinkwasser-Beobachtungsliste.
Welche Mikroplastikgröße misst die EU?
Die harmonisierte EU-Trinkwassermethode erfasst Mikroplastikpartikel von 20 µm bis 5 mm sowie Fasern ab 20 µm bis zu einer Länge von 15 mm.
Ist Mikroplastik gesundheitsschädlich?
Die aktuelle Datenlage reicht nicht aus, das konkrete Gesundheitsrisiko der üblichen menschlichen Mikroplastikexposition zuverlässig zu quantifizieren. Es bestehen weiterhin erhebliche Forschungs- und Datenlücken.
Was ist Nanoplastik?
Nanoplastik bezeichnet Kunststoffpartikel, die noch wesentlich kleiner als Mikroplastik sind. Gerade für diese sehr kleinen Partikel bestehen besonders große analytische und toxikologische Wissenslücken.
Ist Mikroplastik auch in Flaschenwasser?
Ja. Mikroplastik wurde sowohl in Leitungswasser als auch in abgefülltem Wasser nachgewiesen. Bei Flaschenwasser können auch Verpackung und Verschluss mögliche Partikelquellen darstellen.
Kann man Mikroplastik schmecken?
Nein. Mikroplastik lässt sich nicht zuverlässig über Geschmack oder Geruch erkennen.
Kann ein TDS-Messgerät Mikroplastik messen?
Nein. TDS-Messgeräte bestimmen die elektrische Leitfähigkeit beziehungsweise einen daraus errechneten Summenwert gelöster ionischer Stoffe. Mikroplastik können sie nicht identifizieren.
Kann man Mikroplastik zuhause testen?
Eine zuverlässige Mikroplastikmessung erfordert spezialisierte Laborverfahren. Ein einfacher Heimtest oder TDS-Tester reicht dafür nicht aus.
Kann man Mikroplastik durch Abkochen entfernen?
Abkochen ist kein standardisiertes oder verlässlich geprüftes Verfahren zur Mikroplastikentfernung. Für eine gezielte Partikelreduzierung sind geeignete Filter- oder Membranverfahren erforderlich.
Entfernt Aktivkohle Mikroplastik?
Aktivkohle allein garantiert keine Mikroplastikreduktion. Ein komplettes Filtersystem kann Partikel mechanisch zurückhalten, wenn Filterfeinheit und Konstruktion entsprechend ausgelegt sind.
Kann Umkehrosmose Mikroplastik reduzieren?
Ja. Membranbasierte Verfahren wie Umkehrosmose können Mikroplastikpartikel sehr wirksam zurückhalten. Die konkrete Leistung eines Haushaltsgeräts sollte jedoch anhand produktspezifischer Prüfdaten bewertet werden.
Entfernt jede Osmoseanlage Mikroplastik zu 99,9 Prozent?
Eine solche Prozentangabe kann nicht pauschal für jedes RO-System übernommen werden. Dafür ist ein entsprechender Leistungsnachweis des konkreten Systems erforderlich.
Gibt es eine Zertifizierung für Mikroplastikfilter?
Ja. NSF führt beispielsweise Produkte mit einem geprüften „Microplastics Reduction“-Claim nach NSF/ANSI 401. Ein solcher Claim muss für das konkrete Produkt vorliegen.
Kann der TDS-Wert zeigen, ob Mikroplastik herausgefiltert wurde?
Nein. TDS und Mikroplastik sind unterschiedliche Messgrößen. Eine TDS-Reduktion beweist keine bestimmte Mikroplastikreduktion.
Fazit: Mikroplastik ist real – die gesundheitliche Bewertung aber noch nicht abgeschlossen
Mikroplastik kommt weltweit in Umwelt, Lebensmitteln, Luft und auch Wasser vor. Das Thema ist deshalb wissenschaftlich und regulatorisch relevant.
Gleichzeitig wäre es falsch, aus dem bloßen Nachweis automatisch eine konkrete Gesundheitsgefahr abzuleiten.
Der derzeitige Stand lässt sich in fünf Punkten zusammenfassen:
- Mikroplastik kann in Trinkwasser vorkommen.
- Deutschland besitzt derzeit keinen eigenen Mikroplastikgrenzwert für Trinkwasser.
- Die EU hat eine harmonisierte Messmethodik eingeführt.
- Das konkrete Gesundheitsrisiko der üblichen Exposition ist noch nicht abschließend quantifizierbar.
- Membranverfahren können Mikroplastik reduzieren, konkrete Produktclaims müssen jedoch geprüft werden.
Für BEM AQUA ergibt sich daraus eine klare redaktionelle Linie: Mikroplastik nicht verharmlosen, aber auch nicht als Angstargument verwenden.
Technisch ist Umkehrosmose für die Partikelreduktion sehr leistungsfähig. Marketingaussagen sollten trotzdem auf konkreten Systemprüfungen beruhen.
Die belastbare Aussage lautet deshalb: „Membranbasierte Wasseraufbereitung kann Mikroplastik reduzieren. Wie hoch die tatsächliche Reduktionsleistung ist, muss für das konkrete Filtersystem unter definierten Bedingungen geprüft werden.“
Quellen und weiterführende Informationen
- Europäische Union – Methodik zur Messung von Mikroplastik in Trinkwasser
- Europäische Kommission – Umsetzung der Trinkwasserrichtlinie und Mikroplastik
- Umweltbundesamt – Mikroplastik und menschliche Gesundheit
- Bundesinstitut für Risikobewertung – Aktuelle Bewertung zu Mikroplastik
- EFSA – Mikroplastik und Nanoplastik in Lebensmitteln und Wasser
- World Health Organization – Microplastics in drinking-water
- NSF – Wasserfilter, PFAS und Mikroplastik